Bewegung bei Darmkrebs

 

Mit viel Bewegung kann das Risiko, an Krebs zu erkranken, reduziert werden. Besonders bei Darmkrebs ist die Datenlage diesbezüglich sehr überzeugend, weshalb der World Cancer Research Fund (WCRF) – eine globale Forschungseinrichtung, die die Zusammenhänge zwischen Lebensstil und Krebsrisiko analysiert – diesen Zusammenhang als sehr wahrscheinlich ansieht. Doch nicht nur die körperliche Aktivität an sich senkt das Darmkrebs-Risiko, sondern auch ein gesundes Körpergewicht, zu dem Sport und Bewegung maßgeblich beitragen. Somit scheint sich viel Bewegung in Bezug auf das Darmkrebs-Risiko gleich doppelt auszuzahlen. Doch körperliche Aktivität senkt nicht nur das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, sondern scheint sich auch positiv bei bereits bestehender Erkrankung auszuwirken. Eine aktuelle Studie zeigte, dass Darmkrebs-Patienten im fortgeschrittenem Stadium ein geringeres Sterberisiko und ein geringeres Risiko für einen Krankheitsrückfall hatten, wenn sie häufiger körperlichen Freizeitaktivitäten nachgingen (Studie von Phipps und Kollegen, 2018). Sport ist also wichtig, doch was sollten Darmkrebs-Patienten beachten?

 

Was sollte speziell bei Darmkrebs beachtet werden?

Generell gilt immer, dass der Sport einem gut tun soll. Das bedeutet, dass die Sportart so gewählt werden sollte, dass man Freude am Training hat und der Körper zwar gefordert, aber nicht überlastet wird. Individuellen Vorlieben und die persönlichen Belastungsgrenzen sind somit bei der Sportwahl zu berücksichtigen. In den Patientenleitlinien „Darmkrebs im frühen Stadium“ und „Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium“ wird empfohlen, mindestens drei Stunden in der Woche Sport zu treiben. Wie dieser Sport genau aussieht, ist nicht von Bedeutung. Schwimmen, Fahrradfahren, Tanzen, Gymnastik oder Spazierengehen – um nur einige Beispiele zu nennen – eignen sich gleichermaßen, um das Wohlbefinden zu verbessern, den Körper zu stärken und positiv auf die Gesundheit einzuwirken. Bei Problemen, den Stuhl zu halten, welche nach Operationen oder Bestrahlungen des Darms auftreten können, könnte speziell Beckenbodentraining hilfreich sein.

Einschränkungen bezüglich der Sportwahl gibt es jedoch, wenn der Patient nach einer Darmoperation einen künstlichen Darmausgang (Stoma) bekommen hat. Dieser sollte vor äußeren Einwirkungen wie Tritten oder Schlägen (auch durch Bälle) geschützt werden. Aus diesem Grund sind beispielsweise Kampfsportarten mit viel Körperkontakt oder einige Ballsportarten weniger geeignet.

Ein weiterer Punkt, der bei Darmkrebs-Patienten beachtet werden sollte, ist die Ernährung. Diese sollte bei einer hohen körperlichen Aktivität entsprechend angepasst werden. Sportlich aktive Menschen haben nämlich einen höheren Nährstoff-, Energie- und Trinkbedarf. Demnach ist es wichtig, ausreichend zu essen und zu trinken, besonders weil Patienten mit Darmkrebs häufiger einen vermehrten Stuhlgang oder Durchfall haben.

 

Mehr Bewegung in den Alltag bringen

Generelle Empfehlungen zu Bewegung und Sport bei Krebserkrankungen sind in dem blauen Ratgeber „Bewegung und Sport bei Krebs“ der Deutschen Krebshilfe zu finden. Neben den Trainingseinheiten ist es sinnvoll, generell mehr Bewegung in den Alltag zu bringen. Dies kann erreicht werden, indem das Auto öfter mal stehen gelassen wird, die Treppe statt des Fahrstuhls genommen wird, eine Haltestelle früher ausgestiegen wird und kleinere Spaziergänge zum Beispiel nach dem Essen oder vor dem Schlafengehen eingeschoben werden. Um einen Überblick darüber zu bekommen, wie viel man sich im Alltag tatsächlich bewegt und ob das ausreichend ist, könnte ein Schrittzähler hilfreich sein. Dieser kann gleichzeitig motivieren, sich mehr zu bewegen.

 

Wann sollte erst einmal auf Sport verzichtet werden?

Es gibt einige Situationen, bei denen sich der Körper erholen muss und durch Sport schnell überlastet wird. In dem bereits erwähnten blauen Ratgeber der deutschen Krebshilfe werden einige dieser Situationen aufgezählt. Dort wird dazu geraten, erstmal auf Sport zu verzichten, wenn die Blutwerte nicht gut sind, was beispielsweise bei einer Chemotherapie öfter der Fall sein kann, und wenn der Patient Fieber, Übelkeit, starke Infektionen, Kreislaufbeschwerden oder starke Schmerzen aufweist. Auch direkt nach einer Operation oder Chemotherapie sollte der Körper erst einmal geschont werden und der Zeitpunkt, an dem das Training wieder aufgenommen werden kann, mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Eine ärztliche Beratung bedarf es diesbezüglich auch bei beim Vorhandensein von Knochenmetastasen.

 

Bewegung und Sport können Patienten mit Darmkrebs bei der Krankheitsbewältigung unterstützen. Dabei muss es nicht gleich Hochleistungssport sein. Auch zügiges Spazierengehen, Walking oder Laufen reichen oftmals schon aus, um das Immun- und das Herz-Kreislauf-System zu stärken, Stress und negative Emotionen abzubauen und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Zudem bietet Sport die Möglichkeit, soziale Kontakte aufzubauen oder zu stärken, wenn man sich beispielsweise Sportgruppen anschließt. Generell gilt jedoch, dass die Intensität des Trainings an die persönliche Fitness angepasst werden sollte und dass es wichtig ist, auf seinen Körper zu hören und ihm Ruhepausen zu gönnen, wenn er nach diesen verlangt.

 

Zusammengefasst

 

  • Regelmäßige Bewegung kann den Krankheitsverlauf von Darmkrebs-Patienten positiv beeinflussen

 

  • Die Intensität des Sports sollte an die persönliche Fitness angepasst werden

 

  • Die Art des Sportes spielt eine untergeordnete Rolle; für Patienten mit einem Stoma sind jedoch nicht alle Sportarten gleichermaßen geeignet

 

  • Bei Stuhlinkontinenz könnte Beckenbodentraining hilfreich sein

 

  • Es gibt Situationen, in denen eine Sportpause eingelegt werden sollte